28. August 2020

Kampf dem Stigma

Ängste nehmen. Verständnis aufbauen. Aufklärung ist zentral in einer Gesellschaft, in der der Glauben an Dämonen tief verankert ist und psychische Erkrankungen nicht als Krankheiten wahrgenommen werden, sondern als Zeichen von Besessenheit.

Letzte Woche bekam Blaise Sandouidi, der Gründer der kleinen Psychiatrie-Initiative in Boulsa, Burkina Faso, Besuch vom Fernsehen: Die „Tagesschau“ des Landes berichtete über den „Tag der Hygiene“, bei dem die kleine Hilfsorganisation Kranke, die auf der Straße leben, wäscht, rasiert, ihnen neue Kleider schenkt. So oft wie möglich verbindet Sandouidi seine Aktivitäten mit Aufklärungskampagnen.

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18. August 2020

Sie beschlossen die junge Frau zu fixieren – unter freiem Himmel, am Rand des Dorfes

Es ist unklar, wie lange Monica* an der Kette gelebt hatte. War es ein Monat, war es ein halbes Jahr? Ihre eigene Mutter hatte die damals 20-Jährige im Dorf Brobo in der Elfenbeinküste an einen großen Baumstamm fesseln lassen. Eine übliche und fürchterliche Methode: In das Holz wird eine tiefe Kerbe gesägt, in die dann das Bein des Kranken gezwungen wird – manchmal auch beide Beine. Mensch und Holz werden dann mit Kabeln oder Metallstangen miteinander verschränkt, so dass der Kranke/die Kranke sich nur noch mit dem Baumstamm durchs Dorf bewegen bzw. rutschen kann.

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28. Juli 2020

Ein Wortspiel, eine irre Idee und viel Kaffee

Der 39-jährige Unternehmensberater Markus Maria Weber hatte vor einigen Jahren einen ziemlich wahnsinnigen Gedanken: Eines Tages beschloss er, aus seinem Alltag auszubrechen, seinen vorgezeichneten Karriereweg zu verlassen und sich aufs Rad zu setzen, um nach Afrika zu fahren.

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04. Juli 2020

Coulibaly ist ein geborener Manager – und ein noch besserer Krisenmanager

Dieser Mann muss den Wahnsinn gleich zweier Welten aushalten. Adama Coulibaly, 45 Jahre jung, der Repräsentant unserer Organisation Freundeskreis St Camille/Kettenmenschen vor Ort. Seit 2008 unterstützt uns ‚Coul‘, wie ihn viele nennen, mit viel Energie und großen Einfühlungsvermögen. Er ist das Scharnier zwischen den Aktiven in Deutschland und den Partnerzentren in Afrika. Er studierte Germanistik und Kommunikation und unterrichtete Deutsch an einem Gymnasium in Bouake in der Elfenbeinküste, wo er immer noch tätig ist. Coulibaly ist nicht nur ein sehr guter Lehrer, Coulibaly ist ein geborener Manager – und ein noch besserer Krisenmanager – was uns sehr zugute kommt.

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20. Juni 2020

Jeden Tag, wenn er von seinem Feld kommt, sucht er die Kranken in ihren Verschlägen in der Stadt auf

Ein auf den ersten Blick irritierendes Bild. Es ist ein Bild wie aus der Geburtsstunde der Psychiatrie, aufgenommen allerdings im Jahr 2019 in Boulsa, Burkina Faso. Für uns ein Bild der Hoffnung: Wo es weit und breit keine Psychiatrie gibt, gründete vor wenigen Jahren Blaise Sandouidi eine Initiative, die sich auf den Straßen um psychisch Kranke kümmert. Blaise Sandouidi, der hier gerade einem obdachlosen Kranken die parasitenverseuchten Haare schert, arbeitet hauptberuflich als Bauer. Jeden Tag, wenn er von seinem Feld kommt, sucht er die Kranken in ihren Verschlägen in der Stadt auf.

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27. März 2020

Auch schon ohne Corona leiden laut UN in diesen Wochen 2,2 Millionen Menschen in Burkina an Hunger

Corona hat die Welt medial fest im Griff. Auch unsere Partnerländer, die Elfenbeinküste und Burkina Faso, sind betroffen. Am schwersten: Burkina Faso, das derzeit mit 146 so viele Corona-Fälle hat wie kein anderes Land in Westafrika. Darunter vier Minister und ein US-Botschafter. Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher, da kaum getestet wird. Auch schon vor Corona plagten zahlreiche Infektionskrankheiten die Bevölkerung. Auch schon ohne Corona leiden laut UN in diesen Wochen 2,2 Millionen Menschen in Burkina an Hunger.

Wir, als Hilfsorganisation für Psychiatrie, hoffen, dass Afrika in der aufziehenden Weltwirtschaftskrise nicht von den Geberländern vergessen wird. Wir appellieren an die EU-Regierungen, nicht an der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit zu sparen. Wenn wir eines aus der Corona-Krise lernen können, dann das: Die Welt hängt zusammen. Das Problem des einen wird rasch zum Problem des anderen.

Unsere Partnerzentren sind auch in diesem Jahr auf kontinuierliche Hilfe angewiesen, jetzt: mehr denn je.

Als Lesetipp ein Artikel der ZEIT-Kollegin Andrea Böhm zur Corona-Lage in Afrika.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/coronavirus-pandemie-krisenregionen-vereinte-nationen

02. März 2020

Seminare an immer wechselnden Orten

Unablässige Gereiztheit. Schlafmangel. Man kommt nicht mehr zur Ruhe. Man beginnt Menschen zu misstrauen, denen man bislang vertraut hatte. Nagende Ungewissheit. Aggression. Wie erkennt man die ersten Anzeichen einer Psychose? Wie kann man dem gegensteuern, bevor der große Zusammenbruch folgt? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt unserer Weiterbildung im Februar, an der 19 MitarbeiterInnen unserer Partnerzentren teilgenommen haben.

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21. Februar 2020

Er sei besessen, sind sie sich einig im Dorf

Zwei Jahrzehnte lang lebt der Plantagenarbeiter Andre Dembele, 49, in Ketten. Bewegungslos hockt er in der Schwüle auf seinem Bett, inmitten von Exkrementen und schwirrenden Fliegen. Ein Skelett, das von Pergamenthaut überzogen ist, mit gelben Fingernägeln wie Krallen. Nur selten hebt sich das Tuch an der Türöffnung und er bekommt eine Blechschale mit gestampftem Maniok oder etwas Wasser hereingeschoben. Die Enkel hat er nie kennen gelernt, die Beerdigung des Vaters fand ohne ihn statt.

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27. Januar 2020

Nord-Süd geht auch anders

Nord-Süd geht auch anders: Deutsche Psychiatriebeschäftigte lernen von Ärzten und Fachpersonal aus Burkina Faso. Wir sind der Meinung, dass Entwicklungszusammenarbeit keine Einbahnstraße sein darf. Vergangenen Sommer hatten wir ein siebenköpfiges Team aus Psychiatern, Fachkrankenpfleger und Zentrumsleiter aus Bobo-Dioulasso zu einer zweiwöchigen Fortbildung nach Deutschland, nach Reutlingen, eingeladen. Sie besichtigten die stationäre Psychiatrie wie auch verschiedene Wohngruppenkonzepte. Und immer auch hielten sie Vorträge und gaben Seminare über ihre Arbeit.

Auf dem Bild der Psychiater Siranyan Sélouké in Aktion vor zahlreichem Fachpublikum der Reutlinger Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik.

14. Januar 2020

Eines Tages bin ich abgehauen

„Als ich zehn Jahre alt war, starb meine Mutter. Sie war auf einmal sehr erschöpft, hatte keine Kräfte mehr und blieb nur noch im Haus. Auf einmal war sie tot. Keiner wusste, was sie hatte, keiner konnte helfen. Mein kleiner Bruder ist auch gestorben. Und meine kleine Schwester.

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28. Dezember 2019

Wir sagen Danke!

Wir sagen Danke! Der Reisedienst des Polizeisozialwerks und Schwabenland Reisen aus Stuttgart spenden uns 10 Euro für jede bis zum 31.3. gebuchte Reise! Ein tolles Weihnachtsgeschenk! Wir würden uns freuen, wenn andere Firmen folgen.

27. Dezember 2019

Unsere Arbeit geht weiter

Weihnachten ist vorbei, und unsere Arbeit geht weiter. Ein Projekt, das uns sehr berührt, liegt in der Stadt Tenkodogo liegt mitten in der Provinz, südlich der Hauptstadt von Burkina Faso. Die Gegend gehört zu den ärmsten des Landes. Immer noch sind hier viele Kinder unterernährt.

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22. November 2019

20. November 2019

Der ganze Stolz des Centre Jubilee in Korhogo

Er ist der ganze Stolz des Centre Jubilee in Korhogo: der Bauernhof draußen vor der Stadt. Hier können Kranke zur Ruhe kommen, stabiler werden, wieder Vertrauen zu sich selber fassen. Hier wird verschiedenstes Gemüse angepflanzt und werden Hühner/ Schweine gezüchtet. Das Team um Soeur Janine (Mitte) hat ständig neue Ideen. Seit Kurzem macht das Zentrum seine eigene Blutwurst und produziert mit einer simplen Flechtmaschine Maschendraht für die Zäune der Bauern der Gegend. Offenbar eine Marktlücke in Korhogo.Bild: Hartmut Schwarzbach

18. November 2019

Sie nannten mich die Verrückte

„Sie nannten mich die Verrückte. Eine Narbe an meinem Handgelenk erinnert mich an das Eisen, mit dem ich an einen Baumstamm fixiert war. Ich lebte damals in Bondoukou im Osten der Elfenbeinküste. Eineinhalb Monate lang hielten sie mich gefangen, ich konnte nicht einmal aufstehen. Ich bin nach meiner Befreiung 2003 in das Frauenzentrum von St. Camille in Bouaké gebracht worden und lebe seither dort, da geht es mir gut“

Im Alter von 24 Jahren ist Christine Awa Kouadio an einer psychischen Störung erkrankt und wurde von ihrem Mann verlassen. Er zog zu einer anderen Frau nach Abidjan und ließ Kouadio allein mit zwei kleinen Kindern. Ihre beiden Söhne leben bei Verwandten. Jetzt ist sie Mitte 40. „Ich habe viele Freundinnen im Frauenzentrum, einen Freund aber habe ich nicht“, sagt sie. „Wenn Gott es will, dann heirate ich noch einmal.“

(Foto: Uli Reinhardt/Zeitenspiegel)

16. November 2019

Psychiatrie im ganzen Norden der Elfenbeinküste

Die einzige Psychiatrie im ganzen Norden der Elfenbeinküste ist das Centre Jubilé in der Provinzhauptstadt Korhogo, das seit vielen Jahren zu unseren Partnern zählt. Derzeit leben 38 Menschen stationär im Zentrum und werden zirka 1220 PatientInnen von hier aus ambulant in den umliegenden Dörfern versorgt. Auf dem Bild tagt der Vorstand. In ihm sind Lehrer versammelt, Künstler, örtliche Bauunternehmer, pensionierte Beamte, Musiker. Es gibt so viel Kraft in der Ziviligesellschaft dieser Stadt!

Und doch hat der Vorstand ernste Themen zu besprechen: Die Suchtproblematik nimmt seit einigen Jahren in Westafrika dramatisch zu. Die Mitarbeiter in Korhogo fühlen sich überfordert von den vielen (oft aggressiven) Abhängigen, die ins Zentrum gebracht werden. Es gibt in der Region keinen funktionierenden Drogenentzug.

Wir wollen uns dem Problem im neuen Jahr annehmen. Dazu bald mehr!

15. November 2019

Wir dürfen vorstellen

Unser Verein arbeitet überkonfessionell. Zu der ersten Generation der Psychiatriebegründer in der Elfenbeinküste und Burkina gehören allerdings viele katholische Geistliche. Soeur Claudine Claudine Anxionnat ist die Chefin von St Camille Bondoukou. Auf dem Bild schaut sie recht streng, tatsächlich begegnet sie den Widrigkeiten ihres Alltag meistens mit ihrem ausgeprägten Humor. Ihr Zentrum ist mitten in der Provinz, nahe an der Grenze zu Ghana. Sie lebt seit 33 Jahren in der Elfenbeinküste, liebt Nutella und fährt mit ihrem Auto mit Allradantriebe mit Karacho über die roten Sandpisten im Osten der Elfenbeinküste. Die Ordensschwester der Sœurs de la Providence de Portieux ist nur noch selten in ihrer früheren Heimat, dem Elsass. Sie leitet das Zentrum in Boundouko zusammen mit Germain Yao Adingra.

Die weitläufige Anlage wurde 2004 eröffnet und beherbergt derzeit rund 60 psychisch Kranke, Männer wie Frauen. Soeur Claudine kümmert sich mit ihrem Team um die Versorgung der Patienten, verwaltet die Ambulanz, wo rund 500 Patienten behandelt werden, und regelt den Medikamentennachschub. Zum Zentrum gehört eine Schweinezucht, außerdem werden die Früchte der Cashewnuss weiterverarbeitet und verkauft. Unser Verein unterstützt Bondoukou seit 2013 mit Medikamenten und lädt Mitarbeiter zu Fort- und Weiterbildungen ein. Das Zentrum ist nachts nur von einer einzigen funzeligen Glühbirne erleuchtet. Geplant ist der Bau einer Solaranlage. Sponsoren werden noch gesucht!

14. November 2019

Ein Schlüssel zum Aufbau der Psychiatrie in Afrika

Ein Schlüssel zum Aufbau der Psychiatrie in Afrika ist die Weiterbildung. Was nutzt es, Gebäude zu bauen und Brunnen zu bohren, wenn es kein Personal gibt, um die Kranken menschlich und fachlich zu begleiten?Weiterbildung ist seit einiger Zeit einer unserer Schwerpunkte, angeschoben durch Marion Krieg, langjährige Bereichsleiterin der Gemeindepsychiatrie in Reutlingen.

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