Dämonenglauben

Wenn sich ein Mensch plötzlich verändert, wenn er traurig wird oder aggressiv, liegt in vielen Ländern Westafrikas der Gedanke nah: ein böser Geist hat von ihm Besitz ergriffen. Ob Christ oder Muslim, die spirituelle Welt der Vorfahren ist noch immer sehr lebendig. Das Konzept der psychiatrischen Erkrankung ist dagegen vielen fremd. Ein Dämon, der von einem Mensch Besitz ergriffen hat, kann auch andere Menschen befallen. Böse Geister, so die Überzeugung, werden häufig über das Essen, den ‚bösen Blick‘ oder Rituale weitergegeben. Böse Geister sind gewissermaßen ansteckend.

Nach traditionellem Weltbild gliedert sich das Universum in drei Bereiche: die Welt Gottes, die Welt der Geister und die Welt des Menschen.
Die Geisterwelt unterteilt sich in die Welt der Geister und die der Ahnen. Letztere stehen dabei den Menschen näher als die Geister. Sie sind verstorbene Vorfahren, die durch Blutsbande und verwandtschaftliche Beziehungen mit den Menschen in Verbindung stehen. Tiere und Pflanzen verbinden als Opfergaben die Welt des Menschen mit der der Geister.
In dieser Vorstellung sind die Toten bei ihren Familien. Sie stellen das Bindeglied zwischen den Menschen und der Geisterwelt dar. Die Ahnen wissen über alle Vorgänge in ihrer Familie Bescheid und nehmen Anteil daran. Sie beschützen die Lebenden, kümmern sich um sie und handeln als Mittler für sie. So gesehen sind Kontakte mit den Ahnen eigentlich auch eine Mitteilung an Gott, der jedoch zu erhaben ist, als dass man das Wort direkt an ihn richten würde. Die Ahnenvorstellung hilft also, sowohl Gefahren als auch die Angst vor dem Tod zu überwinden.
Die Geister dagegen sind nicht menschlich. Sie sind den Menschen überlegen und können von außen auf diese einwirken. Sie stehen mit unterschiedlichen Naturerscheinungen in Verbindung.

In den meisten traditionellen Religionen Westafrikas wird davon ausgegangen, dass es sowohl gute als auch böse Geister gibt: Gute Geister schützen gegen Unglück und Krankheit, helfen Kindern oder sorgen für genügend Nahrung oder schützen sogar die Haustiere. Wie gut sie als Beschützer arbeiten, hängt mit dem richtigen Verhalten einzelner Personen der Familie oder Sippe zusammen. Gutes Verhalten heißt, das Befolgen und Praktizieren von Werten und Verhaltensweisen, die sich in der Kultur oder der Gesellschaft gebildet haben: Teilnahme an religiösen Riten und genügend Respekt gegenüber der Familie, den Nachbarn und der Gesellschaft. Fehlverhalten führt dazu, dass die guten Geister sich zurückziehen und ihre Wohltaten und ihren Schutz damit aufgeben. Als Ergebnis stehen Krankheit, Tod, Trockenheit und andere Unglücke.