Mai 2021

Hexerei und Hitze, was eine Mischung

Aber Marion Krieg ist vieles gewohnt. Die Reutlinger Sozialarbeiterin leitet eine viertägige Fortbildung in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou und dort hat es 42 Grad im Schatten. Sie ist für den Reutlinger Freundeskreis St. Camille/Kettenmenschen im Einsatz, zusammen mit dem burkinischen Soziologen Oumar Sangaré vom lokalen Büro der Christoffel Blindenmisison.

Mit 16 Seminarteilnehmer*innen aus psychiatrischen Zentren in Burkina Faso und der Elfenbeinküste haben sie das „Hexen“-Zentrum „Centre Delwende“ von Ouagadougou besucht. Das Zentrum nimmt Frauen auf, die wegen Hexerei von ihren Familien verjagt wurden oder gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt waren. Es ist ein kurzer Ausflug in die therapeutische Praxis.Das viertägige Seminar Mitte Mai 2021 ist der Auftakt des größten Fortbildungsprogramms für das Personal in den psychiatrischen Zentren, das der Verein Kettenmenschen jemals gestemmt hat. 15 weitere Seminare folgen binnen zwei Jahren, ein organisatorischer Kraftakt und hoffentlich ein Segen für die psychisch Kranken. Im Fortbildungsmodul „Sozialpsychiatrie und Reintegration psychisch Kranker“ untersuchen Marion Krieg und Oumar Sangaré kulturelle Definitionen von psychischen Krankheiten, besondere Erklärungsmodelle, die Stigmatisierung von psychisch Erkrankten, traditionelle Heilverfahren und die Bedeutung gesundheitlicher Aufklärung.Gottseidank sind die Tagungsräume des katholischen Centre Lorette in der Stadtmitte von Ouagadougou klimatisiert. Krankenpfleger*innen, Freiwillige Helfer*innen, NGO-Präsident*innen und andere Verantwortliche aus neun Partnerzentren sind angereist. Dank eines „Laisser passer“ konnten trotz coronabedingt geschlossener Landesgrenzen auch drei Mitarbeiter aus Zentren in Korhogo und Bondoukou von der Elfenbeinküste kommen. Das Fortbildungsprogramm des Reutlinger Freundeskreis St. Camille/Verein Kettenmenschen ist ambitioniert. Ziel ist die fachliche Qualifizierung der Partnerzentren in Burkina Faso und der Elfenbeinküste, insbesondere im medizinisch-therapeutischen Bereich. Mitarbeiter und Zentrumsleitungen sollen befähigt werden, die soziale Integration der psychisch kranken Menschen stärker als bisher in ihr Behandlungskonzept zu integrieren.Das nächste Seminar mit medizinischem Schwerpunkt findet von 10. bis 12. Juni statt. Die Fortbildung wird finanziell unterstützt von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, herzlichen Dank dafür!

12.05.2021
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