Juli 2019

Psychiatriepersonal aus Bobo-Dioulasso bildet sich in Reutlingen fort

Im Juli durften wir in Deutschland eine sechsköpfige Delegation unseres Partnerzentrums aus Bobo-Dioulasso in Burkina Faso begrüßen. Es war uns eine besondere Ehre: Pater Emmanuel Nabaloum und Camille Kabore, der eigentlich Marketingexperte ist, sind Pioniere der Psychiatrie in Burkina Faso. Sie besuchten uns mit einem Team aus Psychiatern, Fachkrankenpfleger und Betreuern.

Vor fünf Jahren haben sie sich mit weiteren Freiwilligen zusammengetan, um wohnsitzlosen psychisch Kranken zu helfen. Die Stadt zieht mit ihren Märkten die Ausgestoßenen der Dörfer an, die von ihren Familien abgelehnt werden oder ihre Familien selbst verlassen haben. Kabore und Nabaloum gründeten mit Unterstützung des örtlichen Erzbischofs das Psychiatriezentrum Centre Notre Dame de l‘ Espérance. Aktuell leben hier an die hundert Kranke. Die Mitarbeiter arbeiten bisher alle ehrenamtlich. Eine alte Lagerhalle der Caritas wurde umgebaut und dient als Schlafsaal. Langsam und behutsam ist das Zentrum in den vergangenen Jahren gewachsen.

Jetzt haben sich die Gründer zu einem wichtigen Schritt entschieden. Sie planen für die nächsten Jahre den Aufbau eines Reha-Zentrums, ein Ort, an dem stabilisierte Patienten weiter gesunden können. Sie sollen wieder auf das Leben außerhalb der Psychiatrie und jenseits der Straße vorbereitet werden. Hier sollen sie landwirtschaftliche Fertigkeiten erwerben und vor allem: neues Selbstbewusstsein erlangen. Das Reha-Zentrum wäre das erste in der Geschichte von Burkina Faso.

Doch wie geht Reha? Wie sieht eine differenzierte psychiatrische Kette der Behandlung, Begleitung und Betreuung aus? Welche Beschäftigungsmöglichkeiten sind notwendig? Vor allem diese Fragen beschäftigte das Team aus Bobo-Dioulasso bei seinem Besuch in den unterschiedlichsten psychiatrischen Einrichtungen im baden-württembergischen Landkreis Reutlingen. An der Einladung der Delegation beteiligten sich die Bruderhaus Diakonie, die Gemeindepsychiatrischen Hilfen, die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und der Verein für Sozialpsychiatrie.

Die Tour durch die Institutionen zeigte den westafrikanischen Besuchern, wie Patienten mit Suchtkrankheiten oder psychischen Erkrankungen in Deutschland behandelt werden. Die Gäste waren beeindruckt angesichts der differenzierten sozialen Sicherungssysteme für Menschen in Notlagen. Besonders interessierte sie der Bereich der Beschäftigungsmöglichkeiten, den sie bei sich im Zentrum nun ebenfalls aufbauen wollen. Was sie verwunderte, war die Tatsache, dass sich die Familien aus der Begleitung der Kranken oft ganz herausziehen und alles in der Verantwortlichkeit der jeweiligen Einrichtung liegt. Es gab kurze Hospitanzen, viele Türen öffneten sich und viele Gespräche wurden geführt. „Wir haben Neues gelernt und nehmen viele Ideen mit“, sagen Pater Emmanuel Nabaloum und Camille Kabore, Direktor des Psychiatriezentrums Centre Notre Dame de l’Espérance in Burkina Faso.

25.07.2019
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