Wege der Heilung

Nach ihrer Aufnahme in eines unserer Partnerzentren beginnt für die Menschen mit einer psychischer Erkrankung der Weg der Genesung: Diejenigen, die eingeschlossen waren, müssen sich an die Helligkeit gewöhnen, ihr Körper lernt das Stehen und Laufen neu. Viele bekamen auf der Straße oder in der Isolation nur Abfall zu essen, jetzt müssen sie sich auf normale Nahrung umstellen. Einige müssen ihre Sprache wieder finden und die Nähe anderer Menschen ertragen lernen.

Aufnahme und Behandlung

Die ersten Monate verbringen sie in „Willkommenszentren“, wie sie die meisten unserer Partner betreiben. Sie sind Schutzzonen, „Aufwachräume“, wo man die Menschen zunächst wäscht, ihre Fingernägel schneidet, sie von Parasiten und Würmern befreit. Häufig müssen Wunden versorgt oder akute Krankheiten wie Malaria behandelt werden. Die Erkrankten begegnen hier meist zum ersten Mal Psychiater*innen und Pflegepersonal, die ihre Krankheitsbilder diagnostizieren können – und die ihnen eine professionelle Behandlung ermöglichen.

Im Unterschied zu den staatlichen Krankenhäusern und den traditionellen Heilern ist die Behandlung und Unterbringung in den Partnerzentren für die Patient*innen sehr kostengünstig, für soziale Härtefälle kostenfrei. Psychopharmaka können wesentlich zur Genesung beitragen, da sie die quälenden Symptome – Ängste, Stimmenhören und vieles mehr – lindern. Viele Menschen können nach Abschluss ihrer stationären Behandlung wieder ein selbständiges Leben in einem sozialen Umfeld führen. Darauf werden sie in den Zentren vorbereitet: Wichtig ist beispielsweise die Integration in die Gemeinschaft der Patient*innen. Die vormals Ausgestoßenen werden umarmt, Kinder spielen mit den Frauen. Allmählich beginnen die Menschen Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft zu übernehmen, das System „Dorfgemeinschaft“ beginnt zu wirken. Wenn sie stabilisiert sind, arbeiten sie in der Küche oder als Alltagshelfer mit, beim Putzen der Unterkünfte oder beim Waschen.

Perspektiven nach der Entlassung

Zur langfristigeren Behandlung unterhalten einige Einrichtungen spezielle Rehabilitationszentren. Ihre Aufgabe besteht darin, den Menschen mit einer psychischen Erkrankung eine Perspektive zu geben, ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen. Die Patient*innen sind oft zutiefst traumatisiert, leiden unter Selbstzweifeln und Rückfällen und werden von einem Großteil der Gesellschaft gemieden. Der Freundeskreis St. Camille unterstützt ausgewählte Partnerorganisationen im Aufbau dieser Reha-Zentren. Dort erhalten die Patient*innen eine ihren Möglichkeiten angepasste berufliche Ausbildung: im Weben oder Nähen, im Anbau von Gemüse oder anderer landwirtschaftlicher Produkte und der Aufzucht von Schweinen und Hühnern. Diese Arbeit ermöglicht ihnen oft das erste selbst verdiente Geld ihres Lebens. Und sie stellt den Grundstein dar für ihre Rückkehr in ihr soziales Umfeld, als notwendige Basis wirtschaftlicher Unabhängigkeit in der so genannten Normalität.