Unsere Partnerzentren

Wir haben 2003 in Bouaké begonnen, zweitgrößte Stadt der Elfenbeinküste, Sitz einer der ersten Psychiatrien der Region. Nach und nach haben wir unsere Aktivitäten auf andere Orte ausgedehnt. Wir sind dabei kein Träger, uns gehören die Zentren nicht, sondern wir unterstützen lokal verwurzelte Initiativen. Besonders in Burkina Faso kam es seit 2016 zu einer regelrechten Gründungswelle an privaten Psychiatrien. Wir helfen ihnen auf jeweils unterschiedliche Weise – mit Medikamenten, Weiterbildung, der Finanzierung von Personal, dem Bau von Infrastruktur, manchmal auch mit dem Zukauf von Lebensmitteln, Gemüse und Fisch. So groß ist die Not.

Korhogo

Centre Jubilé Korhogo

Das Centre Jubilé Korhogo (CJK) liegt am Stadtrand der Provinzhauptstadt Korhogo und wurde im Jahr 2000 von katholischen Schwestern des Ordens „Filles de la Croix“ gegründet. Es ist im gesamten Norden der Elfenbeinküste das einzige psychiatrische Zentrum, das eine stationäre wie ambulante Versorgung von psychisch Erkrankten anbietet Die Organisation ist als gemeinnütziger Verein registriert und wird getragen von zwei katholischen Ordensschwestern und einem Team aus 10 engagierten Mitarbeiter/innen – gut ausgebildete Pflegekräfte und Unterstützungspersonal, die eine kompetente und liebevolle Versorgung der Patienten gewährleisten. Sie werden durch zwei externe psychiatrische Fachkräfte unterstützt: Ein Facharzt reist einmal pro Monat aus Abidjan an und führt an 4 Tagen eine psychiatrische Sprechstunde durch. Ein Psychiatriekrankenpfleger aus Korhogo unterstützt das Team zusätzlich an 4-5 Tagen.

Das Zentrum verfügt über ein akutpsychiatrisches Zentrum mit 70 Betten. Das großzügige Gelände umfasst neben den Schlafräumen der Patienten und den sanitären Einrichtungen drei Behandlungsräume, einen großen Aufenthaltsraum mit Bibliothek, einen Seminarraum, eine kleine Apotheke sowie Büros. Eine kleine Kapelle sowie mehrere kleine Pavillons ergänzen die Ausstattung. Drei Außenstellen in Ferkessedougou, Ouangolo und Boundiali versorgen rund 1200 stabilisierten Patienten ambulant. Seit 2020 ist das Centre Jubilé vom ivorischen Gesundheitsministerium als private Klinik anerkannt.
Eine landwirtschaftliche Farm mit Kleintierzucht (Hühner, Schweine) sowie Anbau von Gemüse und Grundnahrungsmitteln eröffnet Ausbildungs- und Arbeitsperspektiven für stabilisierte Kranke ohne Familien.

Association St. Camille de Lellis in Bouaké

Die Keimzelle der meisten psychiatrischen Zentren, die sich in den letzten Jahren in Westafrika gebildet haben. Die Einrichtung in Bouaké, im Zentrum des Landes, wurde 1983 vom einstigen Reifenflicker Gregoire Ahongbonon gegründet. Seitdem hat Ahongbonon in mehreren Ländern Westafrikas über 30 weitere Zentren gegründet. In Bouaké unterhält St. Camille eine Abteilung für Männer in Nimbo und eines für Frauen. Die Einrichtung in Bouaké ist mit rund 280 stationär betreuten Patienten auch die größte psychiatrische Klinik im Land. Dazu kommen die stabilisierten Patienten in den beiden Rehabilitationseinrichtungen: In Dar Es Salam werden zirka 30 männliche Patienten an landwirtschaftliche Aktivitäten herangeführt, in Belleville leben rund 30 Frauen in der Rehabilitation. Darüber hinaus werden noch zirka 600 Patienten im größeren Umkreis ambulant versorgt. Das Zentrum beschäftigt insgesamt rund 21 Mitarbeiter/innen, darunter eine große Zahl ehemaliger psychisch Kranker mit pflegerischen Aufgaben. Ahongbonon glaubt an den Grundsatz: der beste Arzt des Kranken ist der Geheilte. Die medizinische Betreuung wird von einem psychiatrischen Fachkrankenpfleger verantwortet, der seit 2018 durch den Freundeskreis St. Camille finanziert wird – dank einer Dauerspende der Fachklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Reutlingen. Der Freundeskreis unterstützte das Zentrum mehrfach durch Bau- und Sanierungsmaßnahmen sowie durch finanzielle Zuschüsse bei der Lebensmittelversorgung.
Seit 2019 ist St. Camille vom ivorischen Gesundheitsministerium als private Klinik anerkannt.

Bondoukou

Association St. Camille de Lellis in Bondoukou

Die Tochter-Organisation von Bouaké wurde 2004 im Osten der Elfenbeinküste eröffnet, um auch die schwer zugängliche Provinz psychiatrisch zu versorgen. Bondoukou liegt abgelegen, nahe der Grenze zu Ghana in einer landwirtschaftlich geprägten Region. Die bauliche Ausstattung des Zentrums ist sehr einfach.
Die Betreuung der Kranken wird durch eine französische Ordensschwester, Schwester Claudine, einen ivorischen Leiter und einem eingespielten Team von sechs Mitarbeitenden gewährleistet. Diese kümmern sich um die rund 60 stationären sowie – geschätzt – 600 ambulanten Patienten im Einzugsgebiet.
Einmal im Monat findet eine psychiatrische Sprechstunde statt, die von einem Facharzt aus Abidjan durchgeführt wird.
Stabilisierte Kranke werden in landwirtschaftliche Aktivitäten eingebunden, insbesondere die Verarbeitung der Früchte der Cashewnüsse aus der eigenen Plantage zu Saft ist eine wichtige Einkommensquelle, aber auch die Kleintierzucht und der Anbau von Grundnahrungsmitteln bieten Möglichkeiten zur beruflichen Wiedereingliederung.
Wir unterstützen das Zentrum in Bondoukou seit 2013, besonders durch finanzielle Zuschüsse zu den Medikamenteneinkäufen.

Burkina Faso

Centre Notre Dame de l’Espérance (CNDE) in Bobo Dioulasso

Das Zentrum ist die größte Psychiatrie im Westen von Burkina Faso, 2014 durch einen katholischen Priester gegründet, der in Italien ein psychiatrisches Studium absolviert hatte. Es ist auf dem Gelände der Erzdiözese von Bobo Dioulasso untergebracht, in einer ehemaligen Lagerhalle der Caritas. Die Einrichtung verfügt über drei Schlafräume für maximal 100 Patienten, zwei Behandlungszimmer sowie zwei Pavillons als luftige Aufenthaltsräume im Freien. Auf dem Gelände befinden sich auch ein kleiner Gemüsegarten sowie einige Gehege für Kleintiere, die als beschäftigungstherapeutische Anregung für die Patienten genutzt werden. Außerhalb der Stadt betreibt das CNDE zudem im Dorf Doufiguisso eine (landwirtschaftliche) Rehabilitationseinrichtung für rund 25 stabilisierte Männer, mit Angeboten zur Ausbildung in Kleintierzucht und Pflanzenproduktion. Für stabilisierte Frauen ist aktuell der Aufbau einer Rehaeinrichtung mit dem Schwerpunkt auf gartenbauliche Ausbildung geplant.
Das Team des CNDE besteht weitgehend aus ehrenamtlich tätigen Ärzt/innen, Krankenpflegern und weiteren Engagierten. Insgesamt arbeiten rund 10 Personen kontinuierlich in der Betreuung der stationären und ambulanten Patienten, darunter auch ein psychiatrischer Facharzt. Wir unterstützen das Zentrum mit Medikamenten. Inspiriert durch die von uns organisierten Fortbildungen, u.a. zu den Potenzialen der Ergotherapie in der Psychiatrie, bemüht sich das CNDE sehr um die Einführung verschiedener therapeutischer Angebote im Zentrum. Zudem wird mit finanzieller Unterstützung durch den Freundeskreis ein Pilotprojekt zur Nutzung moderner Medikamente im CNDE durchgeführt.

Centre Notre Dame de l’Espérance (CNDE) in Ouagadougou

Das jüngste Zentrum hat im Dezember 2019 als „Tochter“ des CNDE in Bobo Dioulasso seine Arbeit aufgenommen. Das weitläufige Gelände in einem Außenbezirk der Hauptstadt verfügt über drei Schlafräume für Patienten, ein Behandlungszimmer und eine kleine Apotheke, zudem über Unterkunft für die Pflegekräfte. Auf dem Gelände wird in kleinem Umfang etwas Gemüse angebaut, diese Aktivität soll in Zukunft als therapeutische Betätigung für die Patienten weiter ausgebaut werden. Das Zentrum hat eine Maximalkapazität von 30 Betten für die stationäre Aufnahme von psychisch kranken Menschen, die als Obdachlose in den Straßen von Ouagadougou leben. Die Betreuung wird bisher durch ehrenamtlich engagierte Kräfte, darunter auch ehemalige Kranke, gewährleistet. Seit September 2020 übernimmt ein vom Freundeskreis finanzierter Gesundheitspfleger die kontinuierliche Betreuung der Patienten, unterstützt durch einen ehrenamtlich tätigen psychiatrischen Fachkrankenpfleger, der alle zwei Wochen Sprechstunden abhält.

Centre d’Accueil St. Joseph in Tenkodogo

Das kleine psychiatrische Zentrum wurde 2017 auf Initiative des Bischofs in Tenkodogo gegründet, einer Kleinstadt im Südosten der Hauptstadt. Außer einer kleinen staatlichen Einrichtung gibt es sonst in der gesamten Provinz keinerlei psychiatrische Angebote – außer Heilern. Es nimmt insbesondere obdachlose psychisch Kranke auf, die ohne Familienanbindung auf der Straße leben. Die aktuelle Aufnahmekapazität liegt bei 40 Patient/innen. Die liebevoll gestaltete Einrichtung verfügt neben den 6 Schlafräumen noch über ein Behandlungszimmer und eine kleine Apotheke.
Geleitet wird das Zentrum durch eine katholische Krankenschwester, Schwester Rosalie Ouedraogo. Diese wird in der pflegerischen Arbeit unterstützt durch eine freiwillige Helferin aus Tenkodogo sowie eine weitere Ordensschwester. Landwirtschaftliche Aktivitäten im Zentrum bzw. außerhalb bieten Betätigungsmöglichkeiten für die Kranken und tragen zur Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln bei. Die katholische Diözese in Tenkodogo möchte das Zentrum weiter ausbauen und fördert die Arbeit – im bescheidenen Rahmen – durch finanzielle und administrative Unterstützung.
Der Freundeskreis St. Camille hilft dem noch jungen Zentrum durch Zuschüsse für den Medikamentenkauf, durch fachliche Weiterbildungen sowie finanzielle Unterstützung bei den laufenden Kosten.

Piéla

Association Yenfaabima

Ein kleines Zentrum im Osten des Landes. Seit 2008 bemüht sich der evangelische Pfarrer Tankpari Guitanga um psychisch Kranke, die auch in der östlichen Provinz von Burkina Faso als dämonenbesessen gelten. Zuerst bot er seine persönliche Unterstützung beim Besuch im lokalen Krankenhaus an und bemühte sich um Aufklärung über die Hintergründe der Krankheit. Seit 2015 wurde mit der Gründung der „Association Yenfaabima“ eine institutionelle Grundlage für die umfangreichere Unterstützung der Kranken gelegt. Inzwischen werden regelmäßige Sprechstunden in Piéla durch einen angestellten Psychiatriekrankenpfleger angeboten sowie die Medikamente für die notwendige Behandlung zur Verfügung gestellt. So werden über 1100 Patienten ambulant betreut. Nach und nach konnte mit finanzieller Unterstützung durch den Freundeskreis sowie von verschiedenen Stiftungen die materielle Ausstattung verbessert werden: Wir halfen beim Bau eines Behandlungshauses, finanzierten ein Motorrad sowie ein Auto für die Besuche der Kranken in den Dörfern. Ein Gästehaus ermöglicht Patienten und ihren Familien die Übernachtung in Piéla. Die 2017 fertiggestellte Wasserversorgung durch einen Tiefbrunnen komplettiert die Ausstattung des Gesundheitszentrums.

Boulsa

Association pour le Développement Intégré Guesbéogo (ADIG)

Gegründet im Jahr 2000 mit vielfältigen Entwicklungsaktivitäten hat sich ADIG seit einigen Jahren verstärkt auf die Unterstützung psychisch Kranker konzentriert. In der Kleinstadt Boulsa östlich von Ouagadougou leben viele psychisch Kranke auf der Straße, von ihren Familien verstoßen oder ohne Erinnerung an ihre Herkunft. Diese werden von den rund 50 ehrenamtlichen Mitgliedern von ADIG betreut: durch Waschen und Haareschneiden. Man gibt ihnen Kleidung und Essen, teilweise werden bei akuten Erkrankungen auch die Behandlungskosten übernommmen. Insgesamt begleitet ADIG auf diese Weise rund 230 Betroffene im Umfeld von Boulsa.
ADIG engagiert sich zudem stark in der Aufklärungsarbeit, um Familien mit erkrankten Angehörigen die Angst zu nehmen bzw. über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Die Initiative ist in der Region extrem gut vernetzt und kann dadurch viel bewirken.

Gründer von ADIG ist Blaise Sandouidi, der hauptberuflich als Bauer arbeitet. Jeden Tag, wenn er von seinem Feld kommt, sucht er die Kranken in ihren Verschlägen in der Stadt auf. Blaise hatte beschlossen, sich um psychisch Kranke in seiner Stadt zu kümmern, als sein Bruder traumatisiert aus dem Militärdienst entlassen wurde. Professionelle Hilfe bekam Blaise durch den Sozialarbeiter Dieudonné Kaboré, der die unterschiedlichen Aktivitäten koordiniert.

Wir unterstützen ADIG bei der Finanzierung des Sozialarbeiters sowie bei der Umsetzung eines umfangreichen Projekts: Dank einer Projektfinanzierung durch die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) konnte ADIG eine kleine Sozialstation bauen, die als Anlauf- und Beratungsstelle für Betroffene und ihre Familien dient. Die Aufklärungsaktivitäten wurden im weiteren Umfeld von Boulsa intensivisert,u.a. durch Radiosendungen. Zuletzt startete im Juli 2021 ein Pilotprojekt, um fünf ehemaligen Kranken ein eigenes Einkommen durch Kleintierzucht zu verschaffen.

Ouahigouya

Association SAULER

Der Verein besteht seit 2012 und widmet sich der Betreuung obdachloser psychisch Kranker in Ouahigouya, der Provinzhauptstadt im Norden von Burkina Faso. Die Einrichtung konzentriert sich dabei auf die soziale Begleitung der Betroffenen in ihrem 2016 gebauten Zentrum: Besonderes Anliegen der 15 Mitarbeitenden ist die sozioökonomische und familiäre Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die medizinische Betreuung wird dabei in Kooperation mit der staatlichen Psychiatrie gewährleistet.
Wichtig ist der Association SAULER zudem die Aufklärung der Bevölkerung über psychische Krankheiten sowie Schulung des Personals in ländlichen Gesundheitszentren, um psychiatrische Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Wir kooperieren mit der Organisation seit 2019 in der Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden.